Durchschnittliche jährliche Netto-Rendite* von 1991 (Oktober) bis Ende 2011:
6.41%
Beschreibung:
Die Relative Stärke ist eines der wertvollsten Analysewerkzeuge der Technischen Analyse. Sie berechnet, wie stark sich Aktien entwickeln. Man geht auch hier von dem Ansatz "The Trend is your friend" aus. Solange ein Trend besteht ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass er sich fortsetzt, als dass er sich umkehrt. Über diese Handelsstrategie lassen sich mit etwas Durchhaltevermögen enorme Gewinne realisieren.
Es gibt hauptsächlich 2 Möglichkeiten die Relative Stärke einer Aktie zu berechnen:
Erstens kann man die Performance einer bestimmten Aktie mit dem dazugehörigen Index (z.B. dem DAX) vergleichen. Dazu wird die Rendite einer Aktie auf 20-Tage-Sicht jeden Tag neu mit der 20-Tage-Rendite des dazugehörigen Index verglichen.
So könnte dies zum Beispiel in Excel aussehen:
Steigt die Relative Stärke über 1, heißt es zuschlagen:
Sinkt dieser Indikator wieder unter 1, heißt es abstoßen:
Innerhalb des grünen Bereichs würde man die Aktie halten, während der roten Phase abwarten.
Wie man an Hand des folgenden Charts erkennen kann, hat man zwar mit dieser Methode starke Gewinne im Juni und Juli einfahren können. Man müsste jedoch auch immer wieder kleinere Verluste erleiden.
Viel besser eignet sich deshalb die zweite und auch kompliziertere Möglichkeit die Relative Stärke einer Aktie zu bemessen. Vorhin verglichen wir die Renditeentwicklung einer bestimmten Aktie mit dem dazugehörigen Index, jetzt vergleichen wir die momentane Renditeentwicklung einer Aktie mit ihrer historischen Renditeentwicklung. Das Ergebnis ist der RSI (nach Wilder).
Im ersten Berechnungsschritt werden alle absoluten Kurssteigerungen (der Eurowert, nicht Prozent) zeitlich geordnet aufgelistet. Tage mit Verlust bekommen den Wert 0 zugeordnet für 0€ Kurssteigerung. Diese Tabelle nennen wir "h". Im zweiten Schritt werden alle absoluten Kursverringerungen zeitlich geordnet aufgelistet. Tage mit Gewinn bekommen den Wert 0 zugeordnet für 0€ Kursverringerung. Dafür verwenden wir den Buchstaben "r". Wichtig ist, dass die Werte immer positiv sind. In "h" finden wir alle absoluten Kurssteigerungen, in "r" alle absoluten Kursverringerungen. Das Resultat sieht in etwa so aus (Beispielhaft K+S vom 03.01.11 bis zum 27.01.11):
Ein RS-Wert von beispielsweise 1,6 bedeutet, dass der prognostizierte Kurszuwachs um 60% höher eingeschätzt wird, als die prognostizierte Kursverringerung.
Tatsächliche Kaufs- und Verkaufssignale ergeben sich jedoch erst mit dem Relative Stärke Index, dem RSI. Dieser normiert den RS zwischen 0 und 100.
Der RSI zeigt den prozentualen Vergleich zwischen Auf- und Abwärtspotenzial einer Aktie an. Ist der Wert 80, dann ist das Aufwärtspotenzial zu 80% erschöpft und das Abwärtspotenzial nur zu 20% (100% - 80% =20%). Eine Trendumkehrung ist hierbei relativ wahrscheinlich.
Kaufs- und Verkaufsginale werden dabei nach folgendem Muster ausgelöst:
Im Bullenmarkt (gute Zeiten): Kaufen beim unteren Wiedereintritt in den Bereich 40 bis 80, verkaufen beim oberen Wiedereintritt in den Bereich 40 bis 80.
Im Bärenmarkt (schlechte Zeiten): Kaufen beim unteren Wiedereintritt in den Bereich 20 bis 60, verkaufen beim oberen Wiedereintritt in den Bereich 20 bis 60.
Für diejenigen, die nicht subjektiv entscheiden wollen in welcher Marktsituation man sich gerade befindet, habe ich folgende Regeln zusammengestellt (es wird keine Garantie für Gewinne übernommen):
Jeweils eine der drei oben genannten Bedingungen für Kauf- und Verkaufslevel trifft immer zu, dabei müssen die Bedingungen jeden Tag neu berechnet werden (s.o. Backtest).
Beispiele:
Falls der Tiefstkurs der letzten 20 Börsentage kleiner ist als 0.95 * die aktuelle 200-Tage-Linie, dann liegt das aktuelle Kauflevel für den RSI bei 20. Falls dieser Tiefstkurs größer als 0.95 * die aktuelle 200-T-Linie, aber immer noch kleiner als die 200-T-Linie für sich allein betrachtet ist, liegt das Kauflevel bei 30. Das Kauflevel 40 für den RSI kommt nur in Frage, sobald der Tiefstkurs über der 200-T-Linie liegt. Ähnlich verhält es sich für die Verkaufslevel, dann dient jedoch der Höchstkurs der letzten 20 Börsentage als Berechnungsgrundlage (s. Grafik).
Vorteile:
Renditestarke Strategie (übertrifft den DAX), relativ einfach zu handhaben durch klare Einstiegs- und Austiegssignale.
Nachteile:
Für die meisten wahrscheinlich zu zeitaufwändig, weil der RSI jeden Tag beobachtet werden muss. Außerdem kommt es immer weider zu Fehlsignalen, sodass man bereit sein muss, auch Verluste hinzunehmen. Auf lange Sicht (5 bis 10 Jahre) überwiegen die Gewinne jedoch deutlich.